KI-Sichtbarkeit Angebot per E-Mail: seriös erkennen in 6 Schritten

Wie erkenne ich, ob ein KI-Sichtbarkeits-Angebot seriös ist? (Kurz beantwortet)

Prüfen Sie zuerst das Impressum oder Aviso Legal des Anbieters: eine ladungsfähige Adresse, eine Steuernummer und ein benannter Verantwortlicher müssen vorhanden sein, sonst ist der Anbieter in Spanien nicht rechtmäßig tätig. Lesen Sie die AGB auf den Gerichtsstand, USA oder Offshore bei einem Angebot an ein spanisches Unternehmen ist ein klares Warnsignal. Ein seriöses Angebot benennt konkrete Maßnahmen wie Schema-Markup oder eine llms.txt-Datei statt eines vagen Prozentversprechens, und bietet einen nachprüfbaren Vorher-Nachher-Test mit echten KI-Anfragen an.

Diese E-Mails landen gerade in vielen Postfächern

Mitte Juli hat mich eine E-Mail auf Spanisch erreicht. Freundlicher Ton, kurzer Text, spanischer Absendername, Domain mit .es-Endung. Das Angebot: Optimierung der Sichtbarkeit in KI-Assistenten wie ChatGPT, Claude und Gemini, ab 99,99 Euro. Dazu ein Link zu einem “kostenlosen 30-Sekunden-Audit”.

Ich kenne den Kontext dieser E-Mails, weil ich mich mit KI-Sichtbarkeit als Angebot selbst befasse. Deshalb habe ich nicht einfach gelöscht, sondern geprüft. Was ich gefunden habe, möchte ich mit Ihnen teilen, ohne den Absender zu nennen (dazu gleich mehr).

Das Muster, das hinter dieser E-Mail steckt, ist nicht neu. In den frühen 2010er Jahren überschwemmten ähnliche Kampagnen die Postfächer: “Wir bringen Sie auf Platz 1 bei Google für 99 Euro.” SEO war damals ein echtes Thema, und genau deshalb funktionierte der Köder. Heute ist KI-Sichtbarkeit das echte Thema, und der Köder ist derselbe.


Was meine Prüfung ergab

Ich nenne den Absender dieses Artikels nicht beim Namen. Der Grund ist pragmatisch, nicht feige: Für ein Ein-Personen-Unternehmen reicht ein Abmahnbrief, um Monate zu blockieren, selbst wenn alle Fakten stimmen. Außerdem wiederholt sich dieses Muster mit wechselnden Domains und Namen. Die Checkliste weiter unten funktioniert für jeden künftigen Absender.

Was ich am 14. Juli 2026 direkt verifiziert habe:

Kein Impressum, kein Aviso Legal. Die Landingpage hat keine spanische Anbieterkennzeichnung, keine Steuernummer, keine ladungsfähige Adresse in Spanien. Wer in Spanien unter einer .es-Domain an spanische Unternehmen verkauft, ist dazu gesetzlich verpflichtet.

Dahinter steht eine US-Briefkasten-LLC. In den Allgemeinen Geschäftsbedingungen war eine LLC mit Sitz in den USA als Vertragspartnerin genannt, registriert an einer der bekannten Sammeladressen für anonyme Briefkastenfirmen: zehntausende Firmen, eine Tür. Als Gerichtsstand galten die USA. Wer also ein Problem mit dem bezahlten Dienst hätte, müsste es in den USA lösen.

Das Produkt ist ein Klon-Netzwerk. Identischer Text, identisches Versprechen (“92 % der optimierten Unternehmen verbessern sich in 30 Tagen”), identische sechs KI-Engines, verschiedene Namen und Domains für Belgien, die Niederlande und den internationalen Markt. Ein technisches Detail hat das gemeinsame Fundament verraten: Der Session-Cookie der spanischen Seite trug noch den (vertippten) Namen des Schwester-Brands.

Spanien zahlt das 2,5-Fache. Dasselbe Produkt kostete auf der niederländischen Version 39,99 Euro, auf der spanischen 99,99 Euro. Das Leistungsversprechen war identisch.

Das Team sind Initialen. Die “Über uns”-Seite zeigte keine einzige Person mit Namen, nur Kürzel wie “EM” und “JD”. Die freundliche Absenderin der E-Mail hatte keinen nachweisbaren Web-Fußabdruck.

Die E-Mail selbst ist rechtswidrig. Unverlangte Werbe-E-Mails an gescrapte Adressen ohne vorherige Einwilligung verstoßen gegen Artikel 21 LSSI, das spanische Gesetz für Dienste der Informationsgesellschaft. Wer die Kundengewinnung mit einem Rechtsverstoß beginnt, ist kein guter Kandidat für Vertrauensarbeit an der eigenen Marke.


Update, 28. August 2026: das Muster wiederholt sich

Sechs Wochen nach diesem Artikel erreichten mich zwei weitere E-Mails derselben Art, von zwei neuen Domains mit neuen Markennamen. Die Prüfung dauerte diesmal zehn Minuten, weil die Checkliste weiter unten genau dafür gebaut ist.

Das Ergebnis: wieder dieselbe Konstruktion. Beide neuen Domains nennen in den AGB dieselbe US-Gesellschaft, mit identischer Registrierungsnummer, an derselben Sammeladresse für anonyme Briefkastenfirmen wie im Juli, und wieder mit US-Gerichtsstand. Dieselben Prozentversprechen, dasselbe Team aus Initialen, und auch der verräterische Session-Cookie mit dem vertippten Schwester-Markennamen war wieder da. Inzwischen habe ich neun Domains dieses Netzwerks gefunden, verteilt auf Spanien, Italien, Tschechien, die Niederlande, Belgien und den internationalen Markt.

Zwei Dinge haben sich geändert. Der Preis ist von 99,99 auf 79,99 Euro gefallen. Und bei der Muttergesellschaft, deren Chatbot-Produkt unter demselben Firmennamen läuft, stehen inzwischen öffentliche Bewertungen, die genau das beschreiben, was ich im Juli nur vermuten konnte: unverlangte Werbemails an gescrapte Adressen.

Den Absender nenne ich auch diesmal nicht, aus demselben Grund wie oben. Die sechs Fragen weiter unten haben in beiden Fällen funktioniert, und sie werden auch beim nächsten Namen funktionieren.


Warum das Thema trotzdem real ist

Ich möchte an dieser Stelle klar sein: KI-Sichtbarkeit ist kein Phantom-Thema, das sich Anbieter ausgedacht haben, um Geld zu verdienen. Es ist ein echtes, wachsendes Feld, und genau deshalb zieht es Trittbrettfahrer an.

Laut Cloudflare sind inzwischen über 57 % aller Anfragen im Web automatisiert; 2026 haben Maschinen die Menschen erstmals überholt (der Anteil variiert je nach Branche, aber die Größenordnung ist belastbar). Immer mehr Menschen fragen ChatGPT oder Perplexity nach Empfehlungen für Restaurants, Handwerker oder Ferienwohnungen an der Costa Blanca, anstatt bei Google zu suchen. Was KI-Assistenten über ein Unternehmen “wissen” oder eben nicht wissen, hat reale Auswirkungen.

Strukturierte Daten, eine lesbare Seitenstruktur, maschinenlesbare Inhalte, eine llms.txt-Datei: Das sind konkrete, prüfbare Maßnahmen. Sie lassen sich umsetzen, und sie lassen sich testen. Wenn Sie wissen möchten, ob ChatGPT Ihr Unternehmen heute schon kennt, können Sie das in zehn Minuten selbst herausfinden, ohne einen Anbieter zu bezahlen. Wie das geht, habe ich in einem eigenen Artikel beschrieben: Unternehmen in ChatGPT gefunden werden: der Selbsttest.


Die 6-Punkte-Checkliste: Seriöses KI-Sichtbarkeits-Angebot erkennen

Bevor Sie irgendein KI-Sichtbarkeits-Angebot bezahlen, können Sie in zehn Minuten folgende sechs Fragen prüfen.

1. Wer steht dahinter?

Suchen Sie das Impressum oder Aviso Legal der Anbieter-Website. Dort müssen eine ladungsfähige Adresse im eigenen Land und eine Steuernummer (CIF/NIF) stehen. Fehlt das, ist der Anbieter in Spanien nicht rechtmäßig tätig. Ein kleiner Seitenhieb sei erlaubt: Ein Anbieter, der Ihre Sichtbarkeit verbessern möchte, der sich selbst aber versteckt, hat keine überzeugende Ausgangsposition.

2. Gibt es echte Menschen?

Suchen Sie nach Namen, Fotos, LinkedIn-Profilen oder einer lokalen Präsenz. Initialen auf einer “Über uns”-Seite sind kein Ersatz. Eine Person, die für ihre Arbeit geradestehen will, hat einen nachweisbaren Fußabdruck.

3. Wie kam der Kontakt zustande?

Hat Ihnen der Anbieter eine E-Mail geschickt, obwohl Sie nie eine Einwilligung erteilt haben? In Spanien ist das nach Artikel 21 LSSI nicht erlaubt. Ein Unternehmen, das mit einem Rechtsverstoß in Kontakt tritt, arbeitet auch sonst in dieser Logik.

4. Welches Recht gilt im Streitfall?

Lesen Sie die AGB, auch wenn es mühsam ist. Steht dort als Gerichtsstand “USA” oder eine Offshore-Jurisdiktion, während Ihnen ein Angebot in Spanien gemacht wird? Dann müssten Sie im Streitfall auf eigene Kosten in den USA klagen. Das ist kein theoretisches Risiko.

5. Was wird konkret geliefert?

“Optimierung für sechs KI-Engines” ist keine Leistungsbeschreibung. Ein seriöses Angebot benennt die Maßnahmen: Welches Schema-Markup wird gesetzt? Wird eine llms.txt-Datei erstellt? Welche Seiten werden überarbeitet? Ohne diese Angaben bezahlen Sie für einen automatisierten Scan-Report, kein Handwerk.

6. Wird der Erfolg nachprüfbar gemacht?

Ein Prozentversprechen (“92 % verbessern sich in 30 Tagen”) ohne Methodik ist kein Beweis. Fragen Sie, ob ein Vorher-Nachher-Test mit echten KI-Anfragen Teil des Angebots ist, gemeinsam durchgeführt, mit Ihnen als Zeuge. Wenn die Antwort vage ist, ist das Ergebnis es auch.


Ein kurzer Hinweis zur eigenen Interessenlage

Ich biete selbst KI-Sichtbarkeits-Arbeit an, die KI-Sichtbarkeits-Umsetzung. Genau deshalb halte ich es für richtig, offen zu zeigen, woran man seriöse von anonymer Arbeit unterscheidet.

Der Unterschied ist nicht der Preis. Ein seriöses Angebot benennt eine Person (mich), eine konkrete Methodik, prüfbare Maßnahmen und einen Vorher-Nachher-Test mit echten KI-Anfragen. Die Arbeit läuft unter meinem Namen, mit meiner Adresse, mit meiner Steuernummer im Aviso Legal. Wenn Ihnen das Ergebnis nicht gefällt, wissen Sie, wen Sie ansprechen können.

Wenn Sie sehen möchten, wo Ihr Unternehmen heute steht, bevor Sie irgendetwas bezahlen: Der kostenlose KI-Sichtbarkeits-Check fragt fünf KI-Systeme direkt ab und zeigt Ihnen das Ergebnis als Bericht, das ist ein guter erster Schritt. Wer tiefer gehen möchte, findet die Details zur KI-Sichtbarkeits-Umsetzung auf der entsprechenden Seite. Und wer verstehen möchte, was KI-Sichtbarkeit technisch bedeutet, kann mit dem Pillar-Artikel zu maschinenlesbaren Websites anfangen.

Fragen dazu beantworte ich gerne direkt. Einfach anfragen.

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Häufig gestellte Fragen

Wie erkenne ich, ob ein KI-Sichtbarkeits-Angebot seriös ist?

Prüfen Sie zuerst das Impressum oder Aviso Legal: Gibt es eine echte Adresse, eine Steuernummer, einen benannten Verantwortlichen? Fehlt das, ist der Anbieter in Spanien nicht rechtmäßig tätig. Lesen Sie außerdem die AGB auf den Gerichtsstand, Offshore oder USA bei einem Angebot an spanische Unternehmen ist ein klares Warnsignal.

Ist KI-Sichtbarkeit (ChatGPT, Perplexity, Gemini) wirklich wichtig für mein Unternehmen?

Ja, das Thema ist real. Immer mehr Menschen fragen KI-Assistenten nach lokalen Empfehlungen, anstatt direkt bei Google zu suchen. Strukturierte Daten, maschinenlesbare Inhalte und eine klar aufgebaute Website sind konkrete Maßnahmen, die einen Unterschied machen. Genau weil das Thema relevant ist, zieht es Trittbrettfahrer an.

Ist eine unverlangte Werbe-E-Mail über KI-Sichtbarkeit in Spanien legal?

Nein. Unverlangte kommerzielle E-Mails an Adressen ohne vorherige Einwilligung verstoßen gegen Artikel 21 des spanischen LSSI (Ley de Servicios de la Sociedad de la Información). Wer neue Kunden durch einen Rechtsverstoß gewinnt, ist kein guter Kandidat für Vertrauensarbeit an Ihrer Marke.

Was sollte ein seriöses KI-Sichtbarkeits-Angebot konkret enthalten?

Ein seriöses Angebot benennt die genauen Maßnahmen: welche Schema-Markierungen gesetzt werden, ob eine llms.txt-Datei erstellt wird, welche Seiten überarbeitet werden. Es enthält außerdem einen nachprüfbaren Vorher-Nachher-Test mit echten KI-Anfragen, und einen Ansprechpartner mit Namen und nachweisbarer Präsenz.

Was ist eine US-Briefkasten-LLC und warum ist sie ein Warnsignal?

Einige US-Bundesstaaten erlauben LLCs ohne Offenlegung der Eigentümer. Zehntausende anonyme Firmen sind dort teils an einer einzigen Adresse registriert. Wenn ein Anbieter, der Ihnen auf Spanisch schreibt und eine .es-Domain nutzt, in den AGB eine solche US-LLC als Vertragspartner nennt und US-Gerichtsstand festlegt, müssten Sie bei einem Streit in den USA klagen.

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