Ich habe 3.850 Websites an der Küste geöffnet. Bei der Hälfte fehlt das Impressum.
Was mir der Blick auf fast 4.000 Betriebe zwischen Costa Blanca und Castellón gezeigt hat, und wie Sie in wenigen Minuten sehen, wo Sie stehen.
Das habe ich diesen Monat gemacht
In der ersten Ausgabe habe ich geschrieben, dass die erste Besucherin Ihrer Website heute oft eine Maschine ist. Das war eine Beobachtung. Diesen Monat habe ich sie überprüft. Ich habe die Websites von über 4.400 Unternehmen in der Comunidad Valenciana aufgerufen, von der Costa Blanca bis Castellón, und 3.850 davon systematisch ausgewertet: Restaurants, Ferienvermietungen, Makler, Hotels, Handwerker, Kanzleien. Das Ergebnis habe ich als Digital-Report veröffentlicht. Drei Muster sind mir dabei besonders aufgefallen.
Bei der Hälfte fehlt ein auffindbares Impressum. Genau 1.936 der 3.850 Seiten, also 50 Prozent, haben keine erkennbare Impressumsangabe. 48 Prozent haben keinen Cookie-Hinweis, 37 Prozent keine auffindbare Datenschutzerklärung. Und ausgerechnet an der Costa Blanca, der Provinz mit dem meisten Tourismus und den meisten deutschsprachigen Gästen, ist die Lücke am größten. Bei den Restaurants fehlt in 58 Prozent der Fälle das Impressum. Das ist keine Formalität. Wer eine Website in deutscher Sprache betreibt und damit Gäste in Deutschland anspricht, kann nach §5 DDG zur Angabe verpflichtet sein, unabhängig davon, wo der Server steht. Abmahnvereine durchsuchen das Netz gezielt nach genau dieser Lücke. Der Schutz kostet eine halbe Stunde Arbeit.
39 Prozent sind für Maschinen stumm. Etwa 1.500 der ausgewerteten Seiten liefern keinerlei strukturierte Daten, also keine der Code-Zeilen im Hintergrund, an denen ein KI-System erkennt, wer der Betrieb ist, wo er sitzt und was er anbietet. Noch deutlicher wird es bei den Fragen, die Kunden heute wirklich stellen: Nur 119 der 3.850 Seiten, also noch nicht einmal jede dreißigste, hinterlegen ihre Antworten in einer Form, die ChatGPT oder Perplexity direkt auslesen können. Das ist der Grund, warum so viele gute Betriebe in KI-Antworten nicht vorkommen. Nicht weil sie schlechter sind, sondern weil die Maschine sie nicht lesen kann.
Die wenigsten führen den Gast zur direkten Buchung. Bei den 832 ausgewerteten Restaurants hatte mehr als die Hälfte keinen erkennbaren Weg, direkt zu reservieren oder anzufragen. Alles läuft über ein Portal, über Booking, über Google, oder es endet in einer Sackgasse. Das Portal verlangt Provision und behält die Kundenbeziehung. Sie tragen die Kosten für Küche, Personal und Miete, aber die E-Mail-Adresse des Gastes gehört dem Portal. Ein direkter Anfrage- oder Buchungsweg auf der eigenen Seite ist der einzige Kanal, der Ihnen ganz gehört.
Was Sie diese Woche tun können, kostenlos:
Sie müssen nicht raten, ob Sie zu diesen Zahlen gehören. Ich habe einen kostenlosen Check gebaut, der genau das prüft: Er stellt fünf KI-Systemen, darunter ChatGPT, Perplexity und Google, die Fragen, die ein Kunde stellen würde, und zeigt Ihnen schwarz auf weiß, ob und wo Ihr Betrieb genannt wird. Zum KI-Sichtbarkeits-Check →
Wie Sie das auch von Hand nachvollziehen und einordnen können: So testen Sie, ob Ihr Betrieb in ChatGPT gefunden wird →
Quellen: Digital-Report Costa Blanca 2026, eigene Auswertung von 3.850 Websites, Erhebung 6.–18. Juli 2026. Zum Anteil automatisierter Anfragen: Cloudflare Radar, 2026.
Kurz notiert
Eine Zahl aus dem Report, die mich nachdenklich gemacht hat: 340 der aufgerufenen Adressen waren schlicht tot. Etwa jede dreizehnte Domain, für die ein Betrieb einmal bezahlt hat, führt heute ins Leere. Eine tote Website ist schlimmer als keine, weil sie das Signal sendet, dass es den Betrieb nicht mehr gibt. Alle Zahlen, nach Branche und Provinz aufgeschlüsselt, stehen im vollständigen Report: Digital-Report Costa Blanca 2026 →
Eine Frage
Haben Sie je geprüft, was ein KI-System antwortet, wenn jemand nach einem Betrieb wie Ihrem fragt? Und wenn nicht, was glauben Sie, würde zurückkommen?
Antworten Sie einfach auf diese E-Mail. Ihre Rückmeldung bestimmt mit, worüber ich in der nächsten Ausgabe schreibe.
Oliver
Dénia, Costa Blanca
Das war Ausgabe 3 des 5-Minuten-Briefs. Alle 14 Tage ein Thema, das deutschsprachige Unternehmer in Spanien wirklich betrifft. Kein Füllmaterial.
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